| INDEX | 1300-1599 | 17. JH. | 18. JH. | 19. JH. | 20. JH | ÜBERGREIFEND | ETHNO | |
| VERMISCHTES | FLOHMARKT | ALTE MUSIK | FORUM | KONTAKT | SUCHE |
|
||
Nun werden die Ösen gemäß der Anleitung eingeschlagen, die jedem Päckchen beiliegt. Normalerweise beträgt der Abstand zwischen den Ösen 2-3 cm, aber in Taillenhöhe werden oft vier Ösen je Seite dichter gesetzt, wohl um ein besonders enges Schnüren in diesem Bereich zu erleichtern. (Siehe auch dieses erhaltene Korsett.)
Das Schürband wird kreuzweise eingezogen, wie man es auch bei Schuhen macht. Auf Taillenhöhe aber wird eine Schlaufe gelegt, d.h. man führt das Band nach außen und dann nicht etwa zurück zur anderen Seite, sondern zum nächsten Loch der gleichen Seite. Dadurch bildet sich dort eine Schlaufe. Danach geht es wie gehabt kreuzweise weiter. Am anderen Ende knotet man die Enden fest zusammen. Wenn man nun das Korsett zuschnürt, zieht man es jeweils von oben und unten her auf die Mitte, auf die Schlaufe zu. Sitzt das Korsett eng genug, führt man die Schlaufen und die Taille herum und verknotet sie miteinander vorzugsweie vorn, damit man sich notfalls selber ausziehen kann.
Hat man niemanden zur Hand, der einen einschnürt, hängt man die Taillenschlaufen über die Klinke einer geschlossenen Tür und stemmt sich mit aller Kraft dagegen, bis sich die Schnürung weit genug zugezogen hat. In solchen Fällen ist es von Vorteil, wenn die Schnur sehr rutschig ist, damit sie sich nicht nur um die Taille herum zusammenzieht, sondern auch oben und unten. Es kann bei solcher "Selbstschnürung" trotzdem leicht sein, daß die Schnürung sich in der Taille besonders stark zusammenzieht, oben und unten aber weniger, als sie sollte.
Nun mußt Du entscheiden, ob und was für Auszier du anbringen willst. Auszier ist eigentlich der falsche Begriff: Es geht um durchaus funktionale Elemente, die optisch ansprechend ausgeführt werden, aber optional sind. Einen Teil davon mußt Du anbringen, bevor Du die Oberkante versäuberst. Versäubere also erstmal die Unterkante:
Das kann, wie in Teil 1 erwähnt, mit Baumwoll- oder Leinenband oder mit Streifen des Oberstoffs gemacht werden. Letzteres sieht besonders gut aus. Schneide Streifen von ca. 3 cm Breite, nähe sie zu einem langen Streifen zusammen, und nähe sie rechts auf rechts mit Sparstich auf die Außenseite. Falte den Streifen dann um die Kante herum, falte die Kante nach innen, und nähe ihn mit Saumstich auf der Innenseite fest.
Nun zur Auszier.
Da wären zunächst die Quernähte zwischen den drei Stäben, die das Brustkörbchen umschreiben. Ohne sie würden die senkrechten Stäbe aufeinander zustreben und den Stoff dazwischen in Falten zusammendrängen. In getragenem Zustand ist das egal, aber wenn die Körbchen "aufgespannt" werden, sieht es einfach besser aus. Sie verlaufen parallel zur Oberkante, die unterste etwa 5-6 cm darunter. Die Nähte erfüllen den gleichen Zweck wie die Stabtunnel, nur daß in diesem Fall Packschnur eingelegt wird, um die Körbchen auszuformen. Außerdem dürfen die Nähte in kontrastierendem Garn ausgeführt werden. Nähe die unterste Naht mit Rückstich, miß ein Stück Packschnur in der richtigen Länge ab und schiebe es dann zwischen die Lagen des Basisstoffs, so daß es dich an der Naht anliegt. Näh dann dicht oberhalb der Schur die zweite Naht, miß wieder ein Stück Schnur ab usw. bis 6-10 Schnüre eingelegt sind. Siehe auch hier.
Wenn diese Quernähte gemacht sind bzw. wenn Du die Nähte weglassen willst, kannst Du die Oberkante genauso versäubern wie die Unterkante.
Bei vielen erhaltenen
Korsetts sieht man V-förmige, z.T. floral anmutende Muster in kontrastfarbigen
Fäden. Auch sie sind nicht rein dekorativ, sondern sie halten die Stäbe
davon ab, im Tunnel auf- und abzurutschen und die Nähte der Versäuberunsstreifen
aufzureiben. Da wir früher schon Haltenähte angebracht haben, brauchen
wir diese Fäden nicht, aber sie sehen klasse aus und überhaupt hält
doppelt genäht besser. Bei diesem
Korsett sehen sie aus wie Ähren, aber es gibt auch andere Varianten.
Besonders häufig sieht man neben dem "normalen" V auch solche,
die aussehen wie ein V mit einem sehr kurzen und einem langen Bein, sowie etwas,
das entfernte Ähnlichkeit mit den Federn am Ende eines Pfeils hat. Wichtig
ist nur, daß der Tunnel von den Zierstichen verschlossen wird, d.h. viele
Stiche müssen entlang einer Linie liegen, die quer zum Tunnelende liegt.
Verwende dafür dickes Seidengarn, z.B. Knopflochseide. Dünne Nähseide
würde vom Stab allzu schnell aufgerieben.
Die eigentlich wichtigen Stiche, die das V ergeben, macht man so, daß sich hinten möglichst wenig Verschwendung ergibt: Entweder macht man zuerst alle linksgeneigten Stiche und dann alle rechtsgeneigten (bzw. umgekehrt), oder abwechselnd, so das die Fäden wie ineinandergeflochten erscheinen. Es ist mir ein Rätsel, wie man die Verzierungen machte, die wie im Bild links auf dem Stab liegen: Da der Stab nicht nachgibt, ist es sehr schwierig, in einem Zug ein- und wieder hochzustechen, aber anders geht es nicht. Eine weiche, dünne Nadel würde helfen, aber dann geht der dicke Faden nicht durch das Öhr. Möglich ist es, keine Frage, aber es ist äußerst mühsam und resultiert schnell in einer verbogenen Nadel.