Das Manteau kam um 1680 als bequemes Hauskleid der französischen Hofdamen auf. Schon bald danach verwandelte es sich vom Schlabbermantel zu einem über einer Schnürbrust getragenen, eleganten Alltagskleid, das beinahe zwangsläufig mit der Fontange kombiniert wurde. Es ist Vorfahr der Robe à la Française und der Robe à l'Anglaise. Den besonderen Reiz daran macht die Wasserfall-Schleppe aus.
Die wenigen erhaltenen Manteaus stammen alle aus der Zeit um und nach 1700 und haben daher einen anderen Verlauf der Vorderkante im Oberteil, als es um 1686 der Fall war. Daher war ich wieder einmal auf Spekulation angewiesen.
Das Manteau selbst ist aus goldgelbem Seidentaft gefertigt und nur im Oberteil mit einem kräftigen Baumwollstoff gefüttert. Der Rock ist aus heller beigem Seidentaft und mit dem Seidenfutter eines Kimonos gefüttert, das im unteren Bereich von Weiß in Rot übergeht, was recht hübsch wirkt, wenn beim Hochnehmen des Rockes das lose hängende Futter sichtbar wird. Was ich auf den Fotos leider vergessen habe ist der schmale Gürtel, der die vorne eingelegten Falten im Zaum hält. Deshalb stehen die Falten im ersten Foto so seltsam ab.
Der Stecker ist mit dem Stoff des Rockes bezogen und in liebevoller Kleinarbeit mit einer Blumenranke bestickt. Vier Laschen ermöglichen es, ihn an der Schnürbrust festzustecken. Die Schleppe wird an zwei Knöpfen im Kreuz befestigt, die mit dem Kleidstoff bezogen und mit antikem Goldfaden bestickt sind. Der gleiche Goldfaden findet sich auch auf dem Stecker wieder.
Alle unsichtbaren Nähte sind mit Seidengarn per Maschine genäht, während die sichtbaren von Hand gemacht wurden. Da die Schleppe immer wieder ihr inneres nach außen kehrt, wechselt die Nahtzugabe im Rockteil des Manteaus immer wieder die Seiten, so daß immer nur eine "schöne" Seite sichtbar ist.
Nicht im Lieferumfang enthalten ist eine Hüftrolle, die sich leicht selbst herstellen läßt und nicht zwingend nötig ist. Eine Schnürbrust hingegen sollte man auf jeden Fall darunter tragen. Auch sie wird nicht mitgeliefert, ist aber gesondert erhältlich. Das Kleid wurde nur zwei- oder dreimal getragen und weist daher kaum Beschädigungen auf. Am Rock sind ein paar kaum sichtbare, pfeniggroße Flecken, die man nur bei sehr genauem Hinsehen wahrnimmt. Die Unterseite der Schleppe hat naturgemäß Spuren von Straßenschmutz.
Das Kleid ist etwa Größe 42 (bei einem Stockmaß von 160-168 cm) und kann durch die Öffnung vorn maximal auf Größe 44 angepaßt werden. Die Schürbrust hilft, geringe Abweichungen in der Größe auszugleichen.




