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Die Herstellung einer Contouche

Schritt 5: Drapieren der Robe


Setze zuerst die beiden (oder, bei schmalerem Stoff, drei) Rückenteile zu einem zusammen und mach Dich gleich ans drapieren der Rückenfalten. Stecke das obere Ende der hinteren Mitte links auf links auf die Mitte des Futters. Die Zugabe muß über das Futter hinausragen. Stecke die Markierung für die Ärmelnaht so, daß sie auf die Kante des Futters trifft. An die Zugabe wirst Du den Ärmel dransetzen, also muß die über das Futter hinausstehen. Und nun geht's ans Faltenlegen. Bei gestreiften Stoffen kann einen das auf die Palme bringen, weil der geringste Fehler gleich auffällt, aber es ist superwichtig, daß die Falten schön gerade fallen - sie machen schließlich den Reiz einer Contouche aus! Die Skizze unten zeigt, wie die Falten gelegt werden.

Skizze: Faltmethode

 

Halte Dich nicht sklavisch an diese Skizze! Historisch haben keine zwei Contouches genau die gleichen Falten, und je nach Mode war der Faltenteil mal breiter, mal schmaler: Um 1730-40 trafen die äußersten Faltenbrüche auf die Ärmelnaht, während sie später weiter innen lagen. Wichtig ist nur das Prinzip - und die Proportion. Die obersten Falten sollten ungefähr Handbreit (ohne Daumen) sein, die Falten darunter lugen etwa zwei Finger breit hervor. Alles, was zu viel erscheint, wird in verdeckte Falten unterhalb der äußersten gestopft. In der Skizze oben sind das die beiden hintersten Falten, die von außen völlig unsichtbar sind. Wenn du Stoffüberschuß hast, dann steck ihn möglichst eher in die äußeren Falten bzw. in solche versteckten Falten, denn da können sie sich am besten, ahem, entfalten. Da wird die Weite gebraucht. Die Oberkante sollte dabei völlig gerade verlaufen - nur dann hängen auch die Falten gerade. Sind die Falten so justiert, daß sie die vom Futter festgelegte Rückenbreite gerade ausfüllen und gerade hängen, dann hefte sie ordentlich aufeinander fest, aber nicht am Futter.

Die Falten im Vorderteil: Mach einen Kniff 4-5 cm einwärts von der Vorderkante und ziehe ihn auf der Außenseite Richtung Armausschnitt, bis die Vorderkante mit dem inneren Faltenbruch etwa gleichauf liegt. Die Zugabe muß den Bruch natürlich noch überragen! Die wird nach innen gefaltet, so daß sie zwischen der äußersten Schicht und dem inneren Faltenbruch zu liegen kommt, also schön versteckt. Diese vordere Falte heißt in englischen Texten robings; ein deutsches Wort dafür ist mir noch nicht begegnet. Hefte die Robings fest. Diese Falte geht von der Schulternaht bis zum Saum durch und kann, je nach Geschmack, ab der Taille frei hängen oder sogar noch tiefer werden. Letzteres läßt die dreieckige Öffnung der Oberrocks, die für das Rokoko so typisch ist, noch weiter aufklaffen. Dafür muß man sie die ganze Vorderkante entlang zunähen, sonst nur bis zur Taille.

Schließe nun die Seitennaht im Oberteil und im Rockteil. Setze den fertig gefalteten Oberstoff aufs Futter (gesteckt oder geheftet), so daß die Vorderkanten von Futter und Oberstoff aufeinandertreffen, ebenso die Seitennähte. Jetzt kommt es darauf an, das Oberteil so zu justieren, daß es glatt anliegt - dazu brauchst du einen Helfer.

Zieh das Korsett an und die Robe darüber. Stecke die Vorderkanten genau so ans Korsett wie bei der Anprobe des Futters. Laß die Zugbändchen im Rücken so anziehen, daß das Futter glatt anliegt, aber nicht spannt. Wenn jetzt der Oberstoff vorn nicht glatt liegt, muß evtl. ein Abnäher gesteckt und/oder etwas Stoff in eine verdeckte Falte unterhalb der großen Falte (eben die robings) an der Vorderkante geschoben werden, bis der Oberstoff glatt, aber nicht straff anliegt. Man streicht den überschüssigen Stoff dahin, wo er sich am leichtesten verbergen läßt, und steckt ihn dort fest. Später wird dort eine leichte Handnaht gesetzt, um ihn festzuhalten. Hinten streicht man waagerecht von der Seitennaht unter die äußerste Watteaufalte und steckt den Oberstoff da fest. Achtung: Nur am Futter feststecken, nicht am Korsett!

Wenn Deine Contouche für die Zeit um 1720-40 gedacht ist, solltest du diesen letzten Schritt weglassen, denn zu der Zeit hing der Oberstoff noch recht frei, und war auch nicht an der Seitennaht befestigt.

Laß die Schulternaht des Vorderteils mit schon umgeschlagener Zugabe auf das Rückenteil stecken, so daß die Kante weitgehend parallel zur Schulternaht des Futters verläuft, zur Seite hin abfallend und in jedem Fall hinter der Schulter. Im Idealfall trifft die Kante der großen Falte im Vorderteil so auf die Kante der äußersten Rückenfalte, daß es ein bißchen so aussieht, als wären sie dieselbe Falte. Wenn nicht, macht nichts. Nähe diese Naht von außen her so, daß oben nur kleine Stiche zu sehen sind. Wenn alles schön glatt sitzt (ziehen soll es aber nicht!), hefte den Oberstoff tief im Schatten der äußersten Falte parallel zum Futterstäbchen am Futter fest (außer eben für 1720-40). Mach dabei eine lockere Naht aus Heftstichen, denn es kommt öfters mal Zug auf diese Naht, z.B. wenn Du eine extreme Bewegung machst oder Dir jemand (und das kommt leider häufig vor) auf die Schleppe steigt. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Die Naht hält, und der Stoff reißt (denn einer von beiden muß nachgeben), oder die Naht reißt, und der Stoff hält. Unnötig zu sagen, was besser ist. Eventuelle Abnäher nähst du am besten mit der Hand einfach von außen runter, so daß oben nur winzige Stiche zu sehen sind. Von innen gearbeitete Abnäher waren damals nicht Gang und Gäbe, während außen sichtbare Stiche nicht als unfein galten.

Als letzte Herausforderung bleiben die Rockfalten, danach ist alles pipi. Im vorliegenden Schnitt liegen sämtliche falten in der Seitennaht. Wer es sich einfach macht, legt die Falten so, daß die Brüche genau auf Höhe der Seitennaht sind. Das ist aber schon mühsam genug, so daß Du es genausogut gleich elegant machen kannst. Das geht so: Die äußersten Falten haben den Faltenbruch genau auf Höhe der Seitenaht. Dann kommt eine Falte von vorn, die ein bißchen weiter nach hinten reicht, dann eine Falte von hinten, die etwa bis zur Seitennaht reicht. Dann noch eine Falte von vorn, die noch ein bißchen weiter nach hinten reicht... am Ende ergibt sich, von außen gesehen, eine Folge hintereinandergreifender Falten, wobei immer die obere ein klein wenig weiter nach hinten greift als die darunter. Die Oberkanten des Rockteils sollten dabei immer parallel sein.

Irgendwann zwischen jetzt und Fertigstellung solltest du die oberen 20-25 cm der seitlichen Rocknaht wieder auftrennen und versäubern, denn das werden die Taschenschlitze sein. Taschenschlitze? Die Taschen sind ein extra Kleidungsstück, unter dem Rock getragen, siehe hier und hier. Warum die Schlitze nicht gleich offenlassen? Weil man dann die Falten nicht so gut legen kann. Die etwas mühsame Methode der hintereinandergreifenden Falten sorgt dafür, daß der Schlitz weitgehend verdeckt ist, und die von vorn kommenden greifen deshalb über die von hinten, weil dann die Hand (die ja von hinten nach vorn greift) leichter an den Schlitz kommt.

Sind die Rockfalten richtig gelegt, heftet man sie aufeinander fest. Ab ca. 1740 näht man sie auch am Futter fest, denn sonst ziehen sie durch ihr Gewicht die Taillenlinie unvorteilhaft nach außen. In der Zeit davor war der Oberstoff nur an den Schultern und vorn am Futter befestigt und das Kleid nicht tailliert, da ist dieses nach-außen-ziehen also durchaus korrekt.

 

Schritt 6: Ärmel und sonstiges